Sonntag, 3. Februar 2013

no hope - just fear

Italien. Berühmt für gute Weine, Pizza und Pasta, warmes Klima und Urlaubsfeeling.
Nun. Das ist die eine Seite. Eine sehr traurige und beschämende Berühmtheit erlangte das Land für seine "Manicomios" und den dortigen Umgang mit Patienten mit psychischer Erkrankung. Bis in die späten 70er Jahre waren diese Anstalten Orte des Grauens und oftmals ohne Wiederkehr, die jedem Horrorfilm zur Ehre gereicht hätten. Wegsperren, anketten, foltern mit Elektroschocks und Eisbädern, Zwangssterilisationen und Misshandlungen, all das gehörte hier zur Tagesordnung. Menschenwürde? Fehlanzeige.
Den Wendepunkt im Jahre 1978 läutete maßgeblich der Psychologe Franco Basaglia ein, der die Öffentlichkeit auf die Missstände in den "Irrenanstalten" des Landes aufmerksam machte, was letztlich zu einer Reform und somit zur Schließung dieser Anstalten führte.

Auch das Manicomio di R. gehörte dazu. Es galt als die zentrale Einrichtung der Provinz. 1871 erbaut, diente es zuerst als Hospital einer karitativen Einrichtung, und später als militärische Akademie. Während der Weltkriege erfuhr der Gebäudekomplex seine Umwandlung in eine psychiatrische Anstalt.
1981 schlossen sich die Tore endgültig und der Ort fiel in einen Dornröschenschlaf.


Wir hatten im Vorfeld viel über die ehemalige Anstalt recherchiert und unsere Vorfreude und Spannung auf diesen wundervoll intakten Lost Place war immens.
Nur drei Tage vor Antritt unseres Italien-Trips erreichte uns jedoch die Hiobsbotschaft: Alles dicht! Kein Hineinkommen mehr.
Wir waren am Boden zerstört, sollte dies doch eins der Highlights unserer Tour werden.
Vor Ort erfolgte dann der Beschluss: Wir versuchen es trotzdem, wenn wir schon einmal in der Nähe sind. Ohne viel Hoffnung machten wir uns also gegen 5:30 Uhr auf den ca. 80km langen Weg über endlose und verdammt kurvige Landstraßen.

Und letztlich hatten wir doch Glück! Der Zugang zum Gelände, welcher uns im Rahmen der Planung echtes Kopfzerbrechen bereitet hatte, stand einladend offen und ebenfalls war rasch eine offene Tür ins Innere des Hauptgebäudes gefunden.

Der Rest war purer Adrenalinrausch. Im Licht der ersten Sonnenstrahlen des Tages streiften wir durch die beeindruckenden Gänge und Hallen im Erdgeschoss, ließen die Kameras heiß laufen und arbeiteten uns zu den Behandlungsräumen vor, was einem Lauf durch ein Labyrinth glich, da immer wieder Zugänge und Zwischentüren versperrt waren.
Das beeindruckendste war, dass das Objekt tatsächlich nur dem reinen natürlichen Verfall unterlag. Keinerlei Graffiti-Schmierereien oder andere Vandalismus-Spuren waren auszumachen. Aufgrund der Lage des Objekts ein kaum zu glaubender Fakt.
Leider hatten wir nur ca. eine Stunde Zeit für unsere Erkundung und waren der einstimmigen Meinung, dass wir hier hätten gut und gern noch einen halben Tag verbringen können. Aber die Uhr drängte, immerhin hatten wir an diesem Tag noch eine weite Fahrt zum zweiten "Stützpunkt" der Tour auf dem Programm.







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