Montag, 30. November 2015

at the end of our days

Etwa anderthalb Stunden vor Anbruch der Dunkelheit erreichten wir unser Ziel, ein Schlösschen, was fast vergessen hinter einer Menge Gestrüpp und Unterholz vor sich hin verfällt.
Jetzt musste es schnell gehen, da wir hier zum einen ein kleines Shooting geplant hatten und ich natürlich auch noch ein paar Location-Bilder schießen wollte.
Trotz der Hektik, das Licht erwies sich in dieser kurzen uns zur Verfügung stehenden Zeit als magisch. Schräg fielen die rotgoldenen Strahlen der tiefstehenden Sonne durch die Fenster und spielten mit dem durch jeden Schritt aufgewirbelten Staub.

Während mein Model Viola Tor sich zurecht machte, hatte ich ein wenig Zeit, das Haus mit der Kamera zu erkunden.
Trotz dass dieser Ort kein wirklich unbekannter ist, nahm ich mit Freude zur Kenntnis, dass mutwillige Zerstörung kaum auszumachen war. Nur Frau Wittler war wohl auch hier schon mehrfach einmarschiert und hatte die diversen Rollstühle, Fernseher und andere Überbleibsel der bewohnten Ära des Hauses "fotogen drappiert".


Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde dieses Anwesen erbaut. Es gehörte einer reichen Familie, die jedoch nach Ende des 2. Weltkriegs enteignet wurde.
Danach wurde das Schloss als Pflegeeinrichtung genutzt und steht seit nun seit vielen Jahren leer. Wie prachtvoll der es einst umgebende Parkt mit seinen seltenen Gewächsen und zahlreichen Springbrunnen ausgesehen haben mag, lässt sich heute nur noch erahnen. Hier ranken nun nur noch Efeu und Dornengestrüpp.

Freitag, 13. November 2015

a ticket to the past

Seit ich die ersten Bilder von diesem wundervollen Zug gesehen hatte, war mir klar: den muss ich unbedingt live bestaunen, als Vintage-Verrückte war das für mich einfach unumgänglich.
Und dann standen wir drin, in diesem antiken Wagon, der ca. in den 30er Jahren gebaut wurde und heute auf dem Abstellgleis vor sich hin schlummert. Gemütlich und sehr bequem muss das Reisen damals gewesen sein, in diesen riesigen, weich gepolsterten Sitzen. Das Flair der damaligen Zeit war hier noch sehr deutlich spürbar.


Erfreulich war auch der Zustand des Wagons und der angrenzenden Lok, wunderbar natürlicher Verfall, von einer dicken Staubschicht bedeckt - ein kleines Schmuckstück, das hoffentlich noch sehr lange in dieser Form erhalten sein wird.

Samstag, 7. November 2015

back to the underworld

Heute stand ein kleiner Revisit auf dem Plan.
Vor zweieinhalb Jahren war ich bereits schon einmal hier gewesen.
Seitdem hat sich viel verändert.
Schon auf dem Friedhofsgelände sah man allerorts, dass hier eine umfassende Sanierung begonnen hatte. Antike, windschiefe Grabmäler wurden aufgerichtet und von der alte-Bauwerke-typischen Patina befreit, die sie in den vielen Jahrzehnten durch das Trotzen gegen Wind und Wetter angesetzt hatten.
Was herauskam, wirkte irgendwie grotesk und attrappenhaft: einheitsgraue Statuen, Gruften und Grabsteine, die wirkten, als hätte hier jemand die Rohlinge eines Bausatzes aufgestellt, alt in der Architektur aber makellos neu, wie frisch produzierte Replikate. Eine Playmobil-Landschaft.



Im Untergrund setzte sich das Bild dann fort. Nur noch wenige Gänge der großen unterirdischen Grabanlage waren in dem Zustand, der mir von meinem ersten Besuch bekannt war. Vielerorts waren die Namensplatten abgenommen und vermutlich zur Restaurierung gebracht worden. Wie das Ganze fertig aussehen würde, konnte man ebenfalls schon in einem Gang erkennen.
Begeistern konnte ich mich für den Wandel nicht. Zwar wird es sich auf Erhalt des Ortes als solchen sicher positiv auswirken, aber leider wird dann auch jegliche düster-romantische Stimmung vernichtet sein.