Montag, 14. März 2016

big brother is watching you

Dieser verlassene Ort war einer der größten und motivtechnisch vielfältigsten, die ich bisher besucht habe.
Von einem Hallenbad über den Heizraum, verschiedene Veranstaltungssäle, einem Theater, unzähligen Gängen und Treppenhäusern, einem vollkommen verwilderten Freibad sowie dem Wahrzeichen des Ortes, der mächtigen Lenin-Statue gab es hier so unglaublich viel zu entdecken, dass wir für Stunden gut mit fotografieren beschäftigt waren.

Die Geschichte des Ortes reicht zurück bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. 
Was mit einem Truppenübungsplatz begann, wuchs bald zu einem großen Militärstandort heran. Dafür wurde sogar eine Gemeinde komplett umgesiedelt.
Es entstanden Kasernen ein Telegrafenamt und schließlich eine Schule für körperliche Ertüchtigung.
Nach der Machtergreifung der NSDAP bezog das Oberkommando der Wehrmacht schließlich diesen Standort. In der Nähe erfolgte der Bau von Wohnhäusern und anderen zivilen Einrichtungen, die die Angehörigen unterbringen sollten.
Während des 2. Weltkrieges wurden weitere Kommandoeinheiten in den Komplex verlegt.
Im März 1945 nach einem schweren Luftangriff der Alliierten, bei dem 120 Menschen ums Leben kamen und zahlreiche Häuser schwer beschädigt wurden, marschierten sowjetische Truppen ein und übernahmen das, was noch übrig war.
Das gesamte Gebiet blieb auch nach dem Ende des zweiten Weltkriegs militärisch, umliegende Einwohner wurden umgesiedelt, die Hauptverkehrsstraßen für den Durchgangsverkehr gesperrt und 30.000 sowjetische Soldaten stationiert. Der ganze Ort wurde zum ummauerten Sperrgebiet.


Nach Abzug der Sowjetischen Truppen 1994 musste das Gelände zunächst von Munitionsschrott, Chemikalien, Altöl und anderen Hinterlassenschaften der zu Ende gegangenen Ära gesäubert werden.
Bis heute hat sich einiges hier getan.
Selbst Genosse Lenin, welcher immer noch vor dem Hauptgebäude thronend nach Westen schaut und nach dem Klassenfeind Ausschau hält (eine Geschichte, die man sich hier gern mit einem Augenzwinkern erzählt), muss sich eingestehen, dass dieser gewissermaßen nun mehr und mehr hier Einzug gehalten hat.
Wo früher Soldaten marschierten, eilen heute Menschen in Anzügen und Kostümen in ihre Büros, tollen Kinder über Spielplätze oder fahren Ausflügler mit ihren Rädern durch die Wälder. 
Die Nachnutzung aller Gebäude und Grundstücke ist eine rein zivile. Stück für Stück wurden und werden die alten Häuser saniert und zu attraktivem Lebensraum umgewandelt.
Was jedoch speziell mit dem an diesem Tag besuchten Areal passieren soll, steht leider weiterhin in den Sternen.

Freitag, 11. März 2016

on a hot summer day

Es war die Abschluss-Location einer ruinösen Fototour an einem brütendheißen Sommertag. Das Thermometer in diesen Abendstunden zeigte immer noch weit über 30°C an.
Höchste Zeit also für's Schwimmbad!
Doch halt, baden wollte man in der brackigen Brühe des großen Schwimmbeckens zwischen Schilf und vom Beckenrand bröckelnden Fliesen ganz sicher nicht mehr.
So beschränkten wir uns also ganz aufs Fotografieren.


Genaugenommen wurde der Stöpsel hier bereits Ende der 80er Jahre gezogen und seitdem liegt das Gelände dieses ehemaligen Freibads brach.
Ohne eine Totalsanierung wird hier wohl nie wieder ein Badebetrieb möglich sein.
Ende der 20er Jahre erbaut, diente es zunächst als Trainingsstätte für Profi-Sportler und blieb nach dem 2. Weltkrieg lange Zeit ungenutzt.
In den 70er Jahren erfuhr es eine Erneuerung und war hiernach bis zu seiner Schließung ein beliebtes öffentliches Freibad.


Sonntag, 6. März 2016

lost in mint

Premiere. Zum ersten Mal in meinem Leben stand ein Exploring-Ausflug in osteuropäische Gefilde auf dem Plan. Ziel der Reise war ein riesiger Militärkrankenhauskomplex, auf dem wir den ganzen Tag verbrachten. Ich möchte mich trotzdem nicht dafür verbürgen, tatsächlich alles gesehen zu haben.
Wir starteten unsere Erkundung im Hallenbad der Anlage, welches sogar noch mit Wasser gefüllt war. Weiter ging es durch unzählige Gänge und Zimmer zur kleinen Kapelle, hinter der sich direkt im Anschluss die Pathologie befand, was irgendwie ein wenig befremdlich wirkte (wenn auch nicht ganz unpraktisch).

Der interessanteste und gleichzeitig gruselig-faszinierendste Ort dieses Geländes war jedoch ein Keller, in welchem sich noch eine seltsam anmutende Aparatur plus Holzpritsche befand. Ob dieses Szenario nun gewittlert war, was mir aufgrund der hiesigen allgemeinen Unberührtheit diesbezüglich nicht unbedingt so vorkam oder ob das tatsächlich einmal eine Art "Folterraum" gewesen war, das Kopfkino wurde hier auf jeden Fall entfacht. Gänsehaut garantiert!


Das über 7 Hektar große Gelände beherbergte außerdem einst eine Abteilung für Infektionskrankheiten, eine Chirurgie, eine orthopädische und ebenfalls eine psychiatrische Abteilung, eine Apotheke, einen Ladengeschäft und sogar ein Kino.
Der Krankenhauskomplex wurde im Auftrag der Wehrmacht gebaut und diente dieser bis zum Ende des 2. Weltkriegs. Danach übernahm die sowjetische Armee das Gelände.