no more need for a doctor

Als ob es auf dem gesamten Trip nicht schon kalt genug gewesen wäre.
Je höher das Auto in die Berge kletterte, desto frostiger wurde es. Als wir ausstiegen, zeigte das Thermometer gerade noch 3°C an. Und war das etwa SCHNEE, da auf den Bäumen?!? IM MAI?!
Leidlich dick eingepackt in alles Auffindbare machten wir uns auf den Fußweg zur Klinik im Nirgendwo.

Die komplett zerschlagenen Scheiben der Eingangstür ließen bereits ein komisches Gefühl aufsteigen. Drinnen bestätigte sich dieses. Zu spät. Mal wieder.
Was die Kabelratten ganz gelassen hatten, über das hatte sich eine Horde Vandalen ausgiebig her gemacht. Hier war kaum noch ein Stein auf dem anderen. Der Pool vermüllt und besprüht, eingeschlagene Scheiben, wild herumgeworfene Tische und Stühle im Speisesaal, der zudem noch als Kulisse für eine wilde Schoko-Puddingbecher-Schlacht gedient haben musste. Einzig vor dem Kirchenraum und dem Raum mit den Patientenakten im Dachgeschoss hatte man Halt gemacht.
Und die letzte "Party" konnte noch nicht allzu lange her sein, wie die winzigen Schaumkrönchen, die noch auf den riesigen Wasserpfützen in der Wäschrei schwammen, bewiesen. Die Feuerlöscher hatte man also auch entdeckt...
Alles in Allem gab die Klinik mal wieder ein Bild ab, das einfach nur traurig und schockiert machte, trotz dass es hin und wieder noch eine kleine unzerstörte Insel gab, die ein Foto wert war.


Falls sich mal wieder jemand fragt, warum ich keine Angaben zu den Locations mache... genau deswegen! Um die Verbreitung möglichst gering zu halten und diese wundervollen Orte vor Zerstörung, ja, Auslöschung zu schützen.

Die Klinik galt einst als eins der besten medizinischen Zentren der Region. 1905 wurde das ursprüngliche Hotel errichtet, welches als Sanatorium auf 4-Sternes-Standard diente. Hier gastierte sogar ein deutscher Kaiser.
Im Jahr 2011 wurde der Komplex geschlossen und wartet seitdem auf einen Käufer.