beauty in the woods

Und dann gibt es diese Tage, an denen lang gehegte Träume wahr werden.
Wie oft hatte ich schon mit verträumtem Blick vor diversen Bildern aus diesem wundervollen Schloss gesessen. Nun sollte ich das alles auch endlich mit eigenen Augen sehen dürfen.

Selten habe ich so einen riesigen verlassenen Ort mit so vielen abwechslungsreichen Motiven gesehen. Es gab es hier so unglaublich viel zu entdecken, ich hätte Tage hier verbringen können.
Was mich besonders faszinierte, waren die unterschiedlichen Zustände der einzelnen Etagen. Die großen Säle im Erdgeschoss, die Räume im ersten Stock, welche teilweise aussahen, als würden sie nur warten, dass die Bewohner zurückkehrten und im Gegensatz dazu der 2. Stock, dessen Zimmer doch ein wenig verwüsteter daher kamen, auch dadurch, dass hier schon größere Witterungsschäden zu verzeichnen waren. Trotzdem versprühte auch diese Etage noch einen unglaublichen Charme. Nicht zuletzt zu erwähnen ist der Dachboden, auf dem sich alte Übersee-Koffer, Bilderrahmen, Kruzifixe und Skulpturen unter einer dicken Schicht Spinnweben und Taubendreck türmten.


Insgesamt wirkte dieses Schloss auf mich wie ein überdimensionaler Adventskalender. Sicher mehr als nur 24 Türen, aber hinter jeder eine neue Überraschung. Die schönste davon war für mich jedoch die kleine versteckte Bibliothek, die bis unter die Decke mit Büchern gefüllt war.

Errichtet wurde das Schloss Mitte des 19. Jahrhunderts im damals wieder aufgegriffenen Tudor-Stil auf den Grundmauern einer ehemaligen Festung. Es wirkt bereits von außen wie einem Märchen entsprungen. Vier mächtige Türme an jeder Ecke umrahmen es und insgesamt mehr als 360 Fenster blicken auf den Besucher herab. Man kann eigentlich gar nicht anders, als erfuchtsvoll innehalten und staunen.


Seit den 90er Jahren ist dieses traumhafte Anwesen nun verlassen. Schuld daran ist ein Streit zwischen den Erben des ehemaligen Eigentümers.
Doch aktuell tut sich etwas. Ein Gericht entschied die Versteigerung des Anwesens. Nachdem das Schloss Ende 2015 zur Besichtigung an einigen Wochenenden geöffnet war, ging es Anfang Dezember für 1,4 Mio EUR an den Meistbietenden. Es täte dem Märchenschloss wirklich langsam gut, wenn sich ein Besitzer fände, der dem fortschreitenden Verfall ein Ende bereitet.