big brother is watching you

Dieser verlassene Ort war einer der größten und motivtechnisch vielfältigsten, die ich bisher besucht habe.
Von einem Hallenbad über den Heizraum, verschiedene Veranstaltungssäle, einem Theater, unzähligen Gängen und Treppenhäusern, einem vollkommen verwilderten Freibad sowie dem Wahrzeichen des Ortes, der mächtigen Lenin-Statue gab es hier so unglaublich viel zu entdecken, dass wir für Stunden gut mit fotografieren beschäftigt waren.

Die Geschichte des Ortes reicht zurück bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. 
Was mit einem Truppenübungsplatz begann, wuchs bald zu einem großen Militärstandort heran. Dafür wurde sogar eine Gemeinde komplett umgesiedelt.
Es entstanden Kasernen ein Telegrafenamt und schließlich eine Schule für körperliche Ertüchtigung.
Nach der Machtergreifung der NSDAP bezog das Oberkommando der Wehrmacht schließlich diesen Standort. In der Nähe erfolgte der Bau von Wohnhäusern und anderen zivilen Einrichtungen, die die Angehörigen unterbringen sollten.
Während des 2. Weltkrieges wurden weitere Kommandoeinheiten in den Komplex verlegt.
Im März 1945 nach einem schweren Luftangriff der Alliierten, bei dem 120 Menschen ums Leben kamen und zahlreiche Häuser schwer beschädigt wurden, marschierten sowjetische Truppen ein und übernahmen das, was noch übrig war.
Das gesamte Gebiet blieb auch nach dem Ende des zweiten Weltkriegs militärisch, umliegende Einwohner wurden umgesiedelt, die Hauptverkehrsstraßen für den Durchgangsverkehr gesperrt und 30.000 sowjetische Soldaten stationiert. Der ganze Ort wurde zum ummauerten Sperrgebiet.


Nach Abzug der Sowjetischen Truppen 1994 musste das Gelände zunächst von Munitionsschrott, Chemikalien, Altöl und anderen Hinterlassenschaften der zu Ende gegangenen Ära gesäubert werden.
Bis heute hat sich einiges hier getan.
Selbst Genosse Lenin, welcher immer noch vor dem Hauptgebäude thronend nach Westen schaut und nach dem Klassenfeind Ausschau hält (eine Geschichte, die man sich hier gern mit einem Augenzwinkern erzählt), muss sich eingestehen, dass dieser gewissermaßen nun mehr und mehr hier Einzug gehalten hat.
Wo früher Soldaten marschierten, eilen heute Menschen in Anzügen und Kostümen in ihre Büros, tollen Kinder über Spielplätze oder fahren Ausflügler mit ihren Rädern durch die Wälder. 
Die Nachnutzung aller Gebäude und Grundstücke ist eine rein zivile. Stück für Stück wurden und werden die alten Häuser saniert und zu attraktivem Lebensraum umgewandelt.
Was jedoch speziell mit dem an diesem Tag besuchten Areal passieren soll, steht leider weiterhin in den Sternen.